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Die „Big Brother Awards“ wurden am vergangenen Wochenende in Bielefeld verliehen. Der ironische Negativ-Preis will auf drastische und wiederholte Verletzungen des Datenschutzgesetzes aufmerksam machen. Großes Thema in Bielefeld war natürlich auch das Internet. Was gibt es von den ungewöhnlichen Gewinnern zu berichten?
Der bekannte Spielehersteller Blizzard Entertainment hat jedenfalls einen Preis bekommen: Bei seinem beliebten Online-Rollenspiel „World of Warcraft“ wird beinahe jeder Mausklick eines Spielers festgehalten. So kann das Unternehmen nicht nur die verschiedenen Strategien seiner Nutzer durchschauen, um ein Problem zu lösen, sondern von den Daten auch ablesen, wie es um die Persönlichkeit und Psyche des Spielers steht.
Ein wissenschaftlicher Angestellter von Google geht dabei sogar noch einen Schritt weiter: Auch er wurde für sein Patent geehrt, das aus dem Verhalten von Internetbenutzern in Chats, im Tauschhandel oder unter Stress abliest, für welche Art von Werbung der jeweilige Surfer besonders anfällig ist.
Doch auch immer mehr Unternehmen, die nicht unmittelbar mit dem Internet oder Computer zu tun haben, landen auf dem Siegertreppchen. Dieses Jahr etwa der Tiefkühlhersteller Bofrost. Der spionierte mittels einer Spionage-Software einen Computer des Betriebsrats aus und kündigte einem Mitglied auf Grund von diesen illegal gewonnenen Informationen. Die Gerichtsverhandlung ist bereits abgeschlossen und sieht Bofrost eindeutig in der Schuld.
Auch die Getränkefirma Brita kommt mit ihrem „Schoolwater“ in Bielefeld nicht gut an: Nicht nur, dass das Unternehmen versucht, das Allgemeingut Wasser ausgerechnet in Schulen zu kommerzialisieren, noch dazu ist jede Flasche mit einem Chip ausgestattet. So können nicht nur Kunden ausspioniert werden, noch dazu gewöhnen sich ja vor allem Kinder schnell an Überwachungstechnik.
Auch das deutsche Bundesinnenministerium unter Minister Friedrich kam nicht gut weg: In zwei Fällen konnte nachgewiesen werden, dass die verfassungsrechtliche Trennung zwischen Polizei und Geheimdienst nicht beachtet wurde. Auch das sächsische Innenministerium wurde für eine übertriebene Funkzellenabfrage gerügt. Offiziell ging es um eine Anti-Nazi-Demo, doch insgesamt wurden Datensätze von mehr als 55.000 Handybesitzern gewonnen, durch die es teilweise zu Anklagen kam, die gar nichts mit der Demonstration zu tun hatten. Schöne, neue Welt!







